Im Sorgerechtsverfahren muss nicht immer ein Sachverständiger beauftragt werden

Bei Sorgerechtsentscheidung muss nicht immer Sachverständiger zu Rate gezogen werden

Entscheidend ist bei allen Fragen hinsichtlich des Sorgerechts der Aspekt des Kindeswohls.
In der Entscheidung des Oberlandesgericht (OLG) Saarbrücken ging es um einen Fall, bei dem gestritten wurde, ob ein Sachverständigengutachten eingeholt werden muss. Die Vorinstanz hatte den Verfahrensbeistand und das Kind befragt. Nach Ansicht des OLG war dies ausreichend, um das Kindeswohl festzustellen.

Zum Fall:
Die Eltern haben das gemeinsame Sorgerecht für das 2003 geborene Kind, welches im wöchentlichen Wechsel bei der Mutter und bei dem Vater lebt. Der Vater wollte, dass das Kind bei ihm lebt und die Mutter besucht. Der Vater kümmert sich zudem auch intensiv um die schulische Ausbildung des gemeinsamen Kindes. Daher beantragte er das alleinige Sorgerecht. Erstinstanzlich bekam er Recht, wogegen sich die Mutter wehrte. Sie beanstandete unter anderem, dass das Familiengericht den wirklichen Willen des gemeinsamen Kindes nicht ohne Einholung eines Sachverständigengutachtens hätte feststellen dürfen.
Das OLG bestätigte hingegen die erstinstanzliche Entscheidung. Das Kindeswohl könne auch ohne ein Sachverständigengutachten festgestellt werden, sofern das Gericht das Kindeswohl durch Befragung des Verfahrensbeistandes und des Kindes selbst feststellen könne. Das sei vorliegend geschehen. Das Kind habe mehrfach bekräftigt, dass es beim Vater leben wolle und die Mutter besuchen möchte. Dies – sowie das persönliche Bemühen des Vaters um die schulische Ausbildung – sah das Gericht als ausreichend an, um dem Vater das alleinige Sorgerecht zu geben.

Oberlandesgericht Saarbrücken am 5. März 2013 (AZ: 6 UF 48/13)