Wie lang dauert ein Scheidungsverfahren?

Mandanten stellen häufig die Frage, wie lang ein Scheidungsverfahren dauert. Ist das Trennungsjahr abgelaufen und der Scheidungsantrag durch den Rechtsanwalt eingereicht worden, möchten viele Ehepaare so schnell wie möglich geschieden werden.

Die Scheidung ohne Versorgungsausgleich

Der Versorgungsausgleich wird bei Ehen, die länger als 3 Jahre angedauert haben, vom Gericht von Amts wegen durchgeführt. Er dient dem Ausgleich der Rentenanwartschaften, die ein Ehepaar während der Ehezeit erworben hat. Hierfür ist es erforderlich, dass Auskünfte von den verschiedenen Versicherungen und Rententrägern eingeholt werden, was zu erheblichen Verzögerungen führt und mitunter über ein halbes Jahr dauern kann.

Wer sich diese Zeit „sparen“ möchte, muss diesen Versorgungsausgleich ausschließen. Das geht jedoch nur, wenn beide Ehepartner damit einverstanden sind. Sofern ein Ehepartner während der Ehe seine berufliche Tätigkeit reduziert hat, um z.B. die gemeinsamen Kinder zu betreuen, hat dieser Ehepartner weniger in die Rente einbezahlt, sodass ein Ausschluss des Versorgungsausgleichs jedoch ohne eine Kompensation ungerecht sein könnte.

Ist der Versorgungsausgleich von den Ehegatten zu Beginn des Scheidungsverfahrens ausgeschlossen worden, kann ein Scheidungstermin bereits 2 bis 3 Monate nach der Stellung des Scheidungsantrages stattfinden.

Die einvernehmliche Scheidung mit Versorgungsausgleich

Der Regelfall sind jedoch Scheidungen, bei denen der Versorgungsausgleich durchgeführt werden soll. Je nach Anzahl der Versicherungen und Rententräger, die die besagten Auskünfte erteilen müssen, dauert ein Scheidungsverfahren durchschnittlich 6-12 Monate.

Die strittige Scheidung

Seltener kommt es in meiner Kanzlei vor, dass sich das Ehepaar über Fragen wie den nachehelichen Unterhalt und den Zugewinnausgleich nicht einigen kann. In der Regel findet zu diese Fragen eine außergerichtliche Einigung statt. Falls dies ausnahmsweise nicht möglich ist, entscheidet das Gericht – im Zuge eines Scheidungsverfahrens – auch über diese Fragen. In diesen Fällen kann sich ein Scheidungsverfahren bis zu mehreren Jahren hinziehen, was dadurch bedingt ist, dass viel Schriftverkehr zwischen den Anwälten stattfindet und oftmals auch Sachverständigengutachten über strittige Fragen eingeholt werden müssen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die schnellste Scheidung, bei der ein Versorgungsausgleich nicht durchgeführt wird, schon nach 2-3 Monaten stattfindet. Die reguläre Scheidung samt Durchführung des Versorgungsausgleichs dauert im Durchschnitt 6-12 Monate. Die Scheidung, bei der noch weitere Punkte strittig sind und die sich nicht außergerichtlich klären lassen, kann sich über mehrere Jahre hinziehen.