Zum Thema Aufenthaltsbestimmungsrecht: Darf ein Kind entscheiden, bei welchem Elternteil es leben möchte?

Zum Fall, den das OLG Brandenburg zu entscheiden hatte: Die Eltern eines 12 jährigen Kindes leben getrennt. Das Kind lebt bei seiner Mutter, gemeinsam mit dem Bruder sowie dem Stiefvater. Umgangskontakte beim Vater bestehen alle 14 Tage an den Wochenenden. Die Eltern haben das gemeinsame Sorgerecht. Der Vater wollte, dass das Kind künftig bei ihm lebt. Diesen Wunsch äußerte auch das Kind gegenüber dem Verfahrensbeistand und vor Gericht. Als Grund äußerte das Kind, dass es beim Vater „mehr Liebe“ bekäme und es einen kurzen Weg zur Schule habe.

Das Gericht lehnte den Antrag des Vaters, den Aufenthalt des Kindes allein zu bestimmen, ab. Der Wille des Kindes sei zwar bei einem solchen Gerichtsverfahren zu beachten, jedoch nicht das alleinige Kriterium. Tatsächlich verbrachte das Kind lediglich die Wochenenden bei seinem Vater. Auf die Frage des Gerichts, ob er sich darüber im Klaren sei, dass es seine Mutter dann nur noch alle 14 Tage sehe, zeigte es sich sichtlich gedämpft.

Das OLG argumentierte, dass das Kind sein gewohntes Umfeld verlassen würde, was ebenso bei der Bestimmung des Kindeswohls zu berücksichtigen sei. Nach Ansicht des Gerichts sprach im vorliegenden Fall viel dafür, auf Kontinuität zu setzen. Jedoch schlug das Gericht auch vor, dass das Kind künftig an den Betreuungswochenenden von Donnerstag bis Dienstag früh beim Vater wohnen solle, um vor allem gemeinsamen und beidseitig Alltag erleben zu können. Da die Eltern ein angespanntes Verhältnis hatten, schlug das Gericht vor, eine neue Umgangsregelung durch Vermittlung des Jugendamtes zu finden.

Oberlandesgericht Brandenburg, Beschluss vom 12. Mai 2015 (AZ: 10 UF 3/15).